Archivboden 2026
Wer an Archive denkt, hat oft staubige Akten und alte Bücher im Kopf. Doch auch Böden können Archive sein – voller spannender Spuren vergangener Zeiten. Sie bewahren Zeugnisse der Natur- und Kulturgeschichte, oft direkt unter unseren Füßen. Böden bestehen aus Mineralen, organischen Stoffen, Wasser, Luft und Lebewesen. Ihre Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab:

Archivböden sind sehr wertvoll
So wie in Archiven wertvolle Informationen aufbewahrt werden, speichern auch Böden bedeutende Hinweise auf vergangene Ereignisse. Die Bodenfunktion „Archiv der Natur- und Kulturgeschichte“ ist sogar im Bundes-Bodenschutzgesetz verankert. Doch diese Funktion ist empfindlich. Wird ein solcher Boden überbaut oder tief umgegraben, geht sein Wissen für immer verloren. Schutzgebiete speziell für Archivböden auf Grundlage des Bodenschutzrechtes gibt es bisher nicht. Umso wichtiger ist es, ihren
Wert zu erkennen und bei Planungen zu berücksichtigen.

Warum müssen sie geschützt werden?
Auch Spuren menschlicher Aktivität, wie Siedlungsreste, Befestigungen oder alte Beisetzungsorte, lassen sich in Böden finden. Sie ermöglichen Einblicke in das Alltagsleben früherer Epochen. Oft fallen solche Fundstellen als Bodendenkmäler unter die Denkmalschutzgesetze der Länder. Ein prominentes Beispiel ist der Limes, der ehemalige Grenzverlauf des Römischen Reiches. Er ist nicht nur UNESCO-Weltkulturerbe, sondern auch ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie eng Bodendenkmalpflege, Forschung und Bodenschutz zusammenarbeiten müssen,

Schutzwürdigkeit beurteilen
Die Vielfalt der Archivböden ist groß. Im konkreten Einzelfall ist es nicht immer einfach zu beurteilen, wie besonders oder wertvoll ein Archivboden ist. Bund und Länder haben deshalb zur Orientierung die Arbeitshilfe „Empfehlungen zur Bewertung und zum Schutz von Böden mit besonderer Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte“ erarbeitet. Eine entscheidende Rolle für die Beurteilung der Archivfunktion spielt u. a., ob die Entwicklungsprozesse, die zur Entstehung eines Bodens in seiner
heutigen Erscheinungsform geführt haben, besonders oder besonders typisch sind.

Sind Archivböden häufig oder selten?
Manche Archivböden sind echte Raritäten, wie z. B. die Roterde, eines der Patenprofile in Hessen für den Boden des Jahres 2026. Andere sind häufiger, wie beispielsweise die Kohlenmeilerböden, die Pate gestanden haben für das Boden des Jahres-Poster 2026. Die Seltenheit eines Archivbodens kann sich regional erheblich unterscheiden. So ist der Plaggenesch, ein Archiv der Kulturgeschichte (er war der Boden des Jahres 2013!)

Böden erzählen Kulturgeschichte
Vorfahren des modernen Menschen lebten bereits vor rd. 1 MIll. Jahren in Europa. Aber erst mit der Sesshaftwerdung des Menschen vor ca. 8 000 Jahren gestaltete dieser in zunehmendem Maße die ihn umgebende natürliche Umwelt in eine Kulturlandschaft um. Die dabei hinterlassenen Spuren im Boden ließen diese zu Archiven für die Kulturgeschichte werden. Erkennbar wird unsere Siedlungs- und Landnutzungsgeschichte an Wallanlagen, Umrissen von Gebäuden und Siedlungen, Hügelgräbern,
Wölbäckern, Ackerterrassen, Hohlwegen

Böden erzählen Naturgeschichte
Die meisten unserer heutigen Böden in Mitteleuropa begannen sich erst nach der letzten Kaltzeit vor ca. 11 000 Jahren zu entwickeln. Gelegentlich schlummern unter ihnen jedoch noch Reste deutlich älterer Bodenbildungen – sogenannte Paläoböden, die Hinweis auf vergangene Klimaphasen geben. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür liefert der Vogelsberg.:
Auch jüngere Ereignisse haben gut erkennbare Spuren hinterlassen. Als der Laacher‑See‑Vulkan vor rund 13 000 Jahren ausbrach, bedeckte seine Asche weite Teile Mitteleuropas. Diese Schicht hat sich in vielen Bodenprofilen erhalten und dient Fachleuten noch heute als verlässliche Zeitmarke für die Datierung von Bodenbildungen


