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Gartenboden oder Hortisol - Boden des Jahres 2017

Der Gartenboden oder Hortisol (von lateinisch hortus = Garten, sol - Boden) ist ein Boden, der sich durch eine gärtnerische Bewirtschaftung aus einem anderen, zumeist nicht mehr erkennbaren, Boden entwickelt hat. Er ist ein von Menschenhand über Jahrhunderte geschaffener Boden mit mächtigem, humusreichem Oberboden. Der hohe Humusgehalt bietet eine seit Jahrhunderten fruchtbare Grundlage für die Ernährung des Menschen.

Besonderheiten des Gartenbodens

Der Hortisol zeichnet sich durch ein besonders aktives Bodenleben mit vielen Regenwürmern und Mikroorganismen aus, die das Bodenmaterial und die reichlich vorhandenen organischen Pflanzenrückstände intensiv durchmischen (Bioturbation), zersetzen und in Humus umwandeln. Dadurch bildet sich ein eigener humusreicher und krümeliger und meist dunkelgrauer Bodenbereich unter dem eigentlichen Oberbodenhorizont, der sehr gut durchwurzelt wird. Jahrzehnte oder Jahrhunderte wurden diese Böden mit Nährstoffen und organisscher Substanz optimal versorgt und regelmäßig bewässeert. Außerdem wurden sie meist tief umgegrabeen. Diese Bewirtschaftung führte im Laufe der zeit zu hohen Humusgehalten, Stickstoff- und Phosphorgehalten sowie zu einer sehr guten Bodenstruktur.

Hortisole als Archive der Kulturgeschichte

Bodenkundler und Archäologen schätzen besonders die Archivfunktion der Gartenböden. Über viele Jahrhunderte haben sich Scherrben, Holzkohle, Knochen, aber auch Geräte und Werkzeuge und z. B. altes Schuhwerk erhalten. Manchmal finden sich auch alte Münzen und verlorene Schmuckstücke.

Nutzungsformen der Gartenböden - Kulturgeschichtliche Vielfalt Haus-und Hofgärten und Klostergärten

Die ältesten Gärten waren Haus- und Hofgärten, die stets um Ansiedlungen von Menschen entstanden. Dort finden sich oft noch die ältesten und mächtigsten Hortisole. Fast jeder alte Dorfkern weist heute noch beachtliche Flächen an Gartenland auf, mit Gemüse, Kräutern und Zierblumen.
Klostergärten waren Orte innovativer Bodenkultur. Begründet durch ihre europaweite Vernetzung gingen von Klöstern vielfältige Innovationen im Gartenbau aus. In den Klostergärten züchteten die Nonnen und Mönche neue Obst- und Gemüsesorten wie Kohl, Pastinaken, Zwiebeln und Spinat, Ziergewächse und Küchenkräuter, die von dort aus ihren Weg in die bäuerlichen Gärten fanden. In Thüringen lassen sich über 200 historische Klöster und Orden nachweisen, die vielfach noch alte Klostergärten haben.

Schloss-und Burggärten für herrschaftliche Ansprüche

Schon die hochmittelalterlichen Burgen besaßen zur Eigenversorgung der Burgherren Nutzgärten. Auf Flach- oder Hochbeeten wurden verschiedene Würz-, Duft- und Heilkräuter, Obst, Gemüse und Blumen gezogen. Die Standortbedingungen am Hang waren äußerst schwierig. Auf die meist flachgründigen und steinigen Böden wurden oft Mutterboden, Schutt und Mörtelresten aufgetragen, die Hänge wurden terrassiert. Im Laufe der Jahrhunderte konnten so unter ungünstigen Bedingungen Hortisole entstehen. Als sich zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert die kleinflächigen Burggärten hin zum großflächigen Schlosspark entwickelten, entstanden Schlossgärtnereien mit Küchengärten, in denen in Frühbeeten und Gewächshäusern vielerlei Kulturen angebaut wurden wie Rüben, Salat, Kresse und Spinat, Bohnen, Kürbis, Spargel, Artischocken und Melonen.

Städtisch-bürgerliche Nutzgärten- jede Ecke wird genutzt

In städtischen Siedlungen finden sich seit dem 12. und 13. Jahrhundert Nutzgärten. Die ältesten lagen in der hochmittelalterlichen Kernbebauung, jüngere in den Stadterweiterungen innerhalb und außerhalb der Stadtmauern. Diese Gemüse- und Gewürzgärten waren sehr klein. Auf den nur wenige Jahrhunderte lang intensiv bewirtschafteten Flächen finden sich typische Hortisole. In den Stadtkernen sind sie rar, da viel Boden abgetragen oder überbaut wurde. Dazu ist der Boden oft mit Brandschutt und Ziegelbruch, Zement- und Metallresten verunreinigt. In den Städten bestand die Düngung – anders als in den ländlichen Gebieten - zunächst aus flüssigen Fäkalien aus den Kloaken, organischem Haushaltsabfall und Herdasche, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Klärschlämmen, Komposten und künstlichen Düngemitteln. Diese Gärten dienten vorrangig der Ernährung besonders in Notzeiten, sind aber auch Orte der Begeegnung und Kommunikation.

Urban Gardening - neue Impulse

Durch die zurzeit moderne Stadtgärtnerei werden meist ehemalige Brachflächen in Gartenland umgewandelt. Oft ist der Boden dieser innerstädtischen Flächen aber mit Schadstoffen belastet. Das Urban Gardening erfolgt dort in Hochbeeten oder Pflanzboxen, es erfolgt kein Start für die Entwicklung eines Hortisols. Beim bodengestützten Pflanzenanbau werden in kurzer Zeit tiefgründig humose Böden durch Komposteintrag oder durch den Austausch von belasteten Böden durch gartenbaulich geeignete Substrate geschaffen. Es wird von der Länge und Intensität der Nutzung abhängen, ob hieraus Hortisole entstehen können.

Bodenschutz gilt besonders für Hortisole

Zu einem sorgsamen Umgang mit dem Boden gehört es, ihn als belebten Organismus zu verstehen. Das Bodenleben muss erhalten und gepflegt werden, damit der Boden fruchtbar bleibt. Wichtig ist, dass ausreichend organische Substanz zugegeben und übermäßige Anwendung von chemischen Stoffen (Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel) vermieden wird.
Gartenböden werden im innerstädtischen Raum und auch am Rande kleinerer Ortschaften oft überbaut und versiegelt. Damit gehen ihre Funktion als „Grüne Lunge“ sowie ihre soziale Funktion verloren. Wertvolle Zeugnisse unserer 350 Jahre alten Kulturgeschichte verschwinden unwiederbringlich, denn der Begründer des Erwerbsgartenbaus Christian Reichart (1685 bis 1775) war als Pionier für die Entwicklung der Hortisole tätig. In vielen Städten spielen Gartenarbeitsschulen und Schulgärten eine positive Rolle, um bereits Kindern und Jugendlichen den Wert von Böden und ihre Funktionen zu vermitteln.
Besonders die Beschäftigung mit Gartenböden, die oft in Ballungsgebieten wie Oasen den einzigen Zugang zur knappen Ressource Boden innerhalb versiegelter Areale ermöglichen, tragen zur Wahrnehmung der Verantwortung für ihren Schutz bei.