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Boden unter den Füßen verlieren

Wie bei einer geschälten Kartoffel ist der Boden ohne Vegetation ungeschützt.

Bodenverlagerung infolge eines Starkregens © D.Deumlich

Bodenerosion

Der Boden wird oft als Haut der Erde bezeichnet. Ein treffender Vergleich. Nur passen wir auf unsere eigene Haut meist deutlich besser auf.
Wir kennen Wassererosionswege durch starke oder lang anhaltende Niederschläge, die in kleinen Rillen beginnen, sich in größeren Rinnen sammeln und dann oftmals in tiefen und breiten Gräben hangabwärts strömen. Dabei wird viel wertvoller Ackerboden mitgerissen und oft sehr weit entfernt abgelagert. Die Sedimenteinträge belasten Gewässer und Straßen, der wertvolle Ackerboden ist endgültig verloren. Ursachen sind natürlich starke Niederschläge, aber besonders auch unbedeckte Bodenoberflächen, zu wenig Humus im Boden und viele Fahrspuren durch Bodenbearbeitung. Unter Wald und auf Wiesen gibt es viel weniger Wassererosion. Außer Wassererosion gibt es auch Winderosion.

Winderosion in Nord-Niedersachsen © W. Schäfer

Vom Winde verweht

Eine dichte Vegetation schützt den Boden vor Austrocknung. Ungeschützter Boden kann leicht durch Wind verblasen und fortgetragen werden, wenn er trocken ist. Wind überströmt mit erhöhter Geschwindigkeit die Bodenoberfläche, die Bodenteilchen fangen an zu "wandern" und zerstören sich gegenseitig. Größere Teilchen fliegen nicht weit und werden bald abgelagert, manchmal als "Wanderdünen", kleine Teilchen unternehmen Langstreckenflüge in großer Höhe- der wertvolle Boden fliegt für immer davon. Schwere Staubstürme können zu Katastrophen führen wie 2011 im Raum Rostock. Staubstürme aus der Sahara landen in Süddeutschland, Feinstäube machen krank. Kleine Ursachen mit großer Wirkung: unbedeckter Boden ohne Vegetation, Trockenheit und Wind kommen zusammen.

© S. Lazar

Unbedeckter Boden ist ungeschützt.

Nicht nur an Nord- und Ostsee wird unbedeckter Sandboden schnell vom Wind fortgeblasen. Es entstehen kleine Inseln, die noch bewachsen sind, während der umliegende Boden bereits abgetragen wurde. Die durch Wind transportierten und woanders angesammelten "Dünen" gibt es auch im Inland. Auf unbedeckten und frisch gepflügten Feldern kann der Wind flächenhaft Boden abtragen. Im Durchschnitt beträgt der Bodenabtrag in Europa 0,1 Millimeter pro Jahr (Press/Siever 1995). Das scheint auf den ersten Blick nicht viel. Aber Böden sind in unendlich langen Zeiten entstanden, die Bodenneubildung ist kaum messbar, und so verglichen wird der Verlust dann doch sehr hoch.

Schluchtenerosion im Randow-Welse-Tal © M. Frielinghaus

Boden vom Acker gemacht

Auf Ackerflächen können jedoch bereits bei einem heftigen Regenschauer bis zu 2,3 Millimeter Boden abgespült werden. Das kann man sich kaum vorstellen. Da das "Bodenreißen", das Gräben und Schluchten hinterlässt, aber nicht gleichmäßig erfolgt, sondern das Wasser bevorzugte Wege findet, ist das Ausmaß örtlich sehr gut zu erkennen und belastet die Umwelt stark. Voll geschlämmte Seen und Flüsse und der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen, wie z. B. Phosphor und Stickstoff, schaden der Flora und Fauna in den Gewässern. Die Frachten gelangen bis in die Weltmeere, wie man auf Satellitenaufnahmen erkennen kann.

Grabenerosion in Muldenlage Müncheberg (17a) © M. Frielinghaus

Unwiederbringlich weg

In intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten in Deutschland wurde ein jährlicher Bodenabtrag von ca. 20 Tonnen pro Hektar Ackerfläche ermittelt. Das sind im Durchschnitt 55 kg pro Hektar täglich. Regional wurden allerdings durch Starkregen wesentlich größere Mengen gemessen. So sind z.B. bei einem Starkregen von 110 mm (entspricht 110 l pro qm) von einem Zuckerrübenschlag in der Uckermark 170 t je Hektar in die angrenzende Ücker transportiert worden. Aber auch die "schleichende" Bodenerosion, die kaum wahrnehmbar ist, führt im Laufe der Zeit zu messbaren Bodenveränderungen und Umweltschäden.

Winderosion © M. Frielinghaus

Welche Fruchtarten verstärken die Erosion?

Insbesondere Pflanzen, die wie Mais, Zuckerrüben oder Sonnenblumen den Boden im Vorsommer lange Zeit unbedeckt lassen, begünstigen das Entstehen von Wassererosionsrinnen. Auf diesen Feldern sind oft viele Fahrspuren, aus denen dann Hang abwärts reißende Gräben werden können. Der stark zunehmende Maisanbau, der auch auf Hänge ausgedeht wird, ist besorgniserregend. Lange Trockenperioden im Frühjahr und Frühsommer fallen oft mit starkem Wind zusammen. Die unbedeckte und meist frisch bestellte Bodenoberfläche trocknet besonders schnell aus und kann vom Wind in Bewegung gesetzt werden. Schäden treten sowohl auf den Flächen auf, von denen Saatgut und Nährstoffe weggeweht oder junge Pflanzen abgeschmirgelt werden, als auch auf den "zugedeckten" Flächen.

© S. Lazar

Weinanbau an steilen Hängen

In Weinbergen kann an steilen Hängen ebenfalls schnell Boden abgeschwemmt werden. Durch den Terrassenbau und die Aussaat von Gras zwischen den Reben wird die Erosion wie hier am Kaiserstuhl sehr vermindert.

© S. Lazar

Bodenerosion formt Landschaften.

Die nach den letzten Eiszeiten z.B. im Norden oder durch die Gebirgsbildung in den Alpen vorhandenen Landschaften wurden im Laufe der weiteren Erdgeschichte durch Erosionsereignisse immer wieder verändert. Vor allem bei weichem Bodenmaterial über Gestein hat das abfließende Niederschlagswasser zu tiefen Einschnitten an den Hängen geführt. Diese sog. Schluchtenbildung kann teilweise in wenigen Stunden geschehen und erfolgt auch gegenwärtig noch. Im Nordostdeutschen Tiefland sind die typischen Kuppenlandschaften mit vielen Kleingewässern (Sölle) entstanden, in denen die Bodenerosion über Jahrtausende zu einer großen Heterogenität der Böden zwischen Abtrags- und Auftragsbereichen geführt hat. Auch diese differenzierenden Prozesse finden gegenwärtig weiter statt.

© S. Lazar

Ein Berg geht talwärts.

Eine Besonderheit der Landschaftsveränderung, die nicht unmittelbar zur Bodenerosion zugerechnet werden kann, sind Massenverlagerungen im Gebirge. Kleine Lücken in der Grasdecke können die Ursache von größeren Massenbewegungen wie dem Abrutschen von Berghängen oder den Muren sein. Hierbei spielen tektonische Kräfte oft auch eine Rolle. Der beste Schutz ist aber auch hier eine dichte Vegetationbedeckung durch Wald.