| Kontakt
und weitere Infos:
Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork
Ökologie-Zentrum der Christian-Albrechts-Universität
Schauenburger Str. 112
24118 Kiel
E-Mail: hrbork@ecology.uni-kiel.de
|
Böden und Landschaft
Im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert war
Mitteleuropa, bedingt durch die Ausdehnung der Ackerflächen und
die intensive Nutzung der Wälder (z.B. als Bauholz, Waldweide, Streunutzung,
Brennstoff), so vegetationsarm, dass aufgrund der dadurch verstärkten
Thermik die Wahrscheinlichkeit und Intensität von Starkniederschlägen
erheblich zunahm (siehe auch Kapitel Böden als Archiv).
Forschungen haben belegt, dass sehr stark wirksame Niederschläge
im 14. Jahrhundert in weiten Teilen Europas einen außergewöhnlich
hohen Abfluss auf der Bodenoberfläche, gravierende Bodenerosion
und damit eine lokal oft drastische Verringerung der Bodenfruchtbarkeit
auslösten.
Spätmittelalterliche Kerbenfüllung, im Hintergrund
Schlucht die im 18.Jahrhundert gebildet wurde.

(Foto:
H.-R.Bork)
Reliefentwicklung im Tiefen Tal (Quelle: H.-R.
Bork u.a., 1998, Landschaftsentwicklung in Europa, verändert)

Missernten, Unterernährung, Hungersnöte und
Massensterben folgten. Langfristig wurde vielerorts die landwirtschaftliche
Nutzung auf den nunmehr weniger fruchtbaren Böden aufgegeben. Wahrscheinlich
in der 2. Dekade des 14. Jahrhundert und im Jahr 1342 suchten katastrophale
Starkregen die Region Untereichsfeld heim. Im Tiefen Tal rissen
die große Fluten der Regenkatastrophen eine über 1 km lange
und bis 6 m tiefe Schlucht mit einer mehrere Zehnermeter breiten
Sohle ein. Von den fruchtbaren Hängen nördlich der Schlucht wurde
dabei eine Parabraunerde abgetragen, die sich bis zu den frühmittelalterlichen
ersten Rodungen dort gebildet hatte. Dieser Boden wurde an der steilen
Nordseite der Schlucht wieder abgelagert. Das bei überwiegend flächenhafter
Erosion abgetragene und am Fuß des Hanges wieder abgelagerte Bodenmaterial
nennt man Kolluvium. In der Folgezeit wurde das Tiefe Tal durch
weiteren Abtrag von den oberhalb gelegenen Hängen mit Hang- und
Talsedimenten wieder verfüllt. Am Ende dieses Prozesses war der
Hang nur noch mit steinigem Material bedeckt, am Hangfuß aber der
ursprüngliche Hangboden kopfüber wieder abgelagert und mit einer
ackerbaulich nicht bearbeitbaren Steindecke überschüttet. Im 18.
Jahrhundert wurde das Tiefe Tal ein zweites Mal durch extreme Niederschläge
zerschnitten. Diese bis zu 5 m tiefe Kerbe blieb unter Wald weitgehend
erhalten und ist heute noch gut zu erkennen (siehe Photo: unten).
Außerdem sind im Wald noch deutlich mehrere kurze Seitenkerben zu
sehen.
Spätmittelalterliche Kolluvien, die die Schlucht
des 14. Jahrhunderts füllen.

Kolluvien (Spätmittelalter); II Bt: holozäne Parabraunerde; I Cv:
spätglaziale Fließerde
(Photo:
H.-R.Bork)
|