NiedersachsenNI 7

[Start]
[
Teil 1]
Einleitung, Texte
[
Teil 2] Lehrpfade: Niedersachsen: NI 7 = Göttingen - "Tiefes Tal" bei Obernfeld
[
Teil 3] EmpfehlungenSeitenende

Göttingen - "Tiefes Tal" bei Obernfeld

So kommen Sie hin:

Mit dem Bus:
Vom Göttinger ZOB aus mit den Buslinien 142, 151 und 152 bis Duderstadt und von da aus mit den Buslinien 172 und 242 bis Obernfeld. Zu Fuß auf dem Weg nördlich des Friedhofs in östlicher Richtung talaufwärts. Weiter auf dem unmittelbar nördlich der Tiefenlinie des Tiefen Tals führenden Weg. Obernfeld und das Tiefe Tal liegen im Osten des Kreises Göttingen.

Mit dem Auto:
Über die von Duderstadt über Obernfeld nach Gieboldehausen führende B 247. Von Duderstadt kommend, in Obernfeld auf der letzten Straße nach rechts abbiegen und am Friedhof das Fahrzeug abstellen. Weiter zu Fuß wie oben beschrieben.


 

Was ist zu sehen?

Im Wald bei Obernfeld sind Landschaftsformen und Böden zu sehen, die durch enorme Wassererosion im 14. und 18. Jahrhundert entstanden sind. Dazu gehören eine bis zu 5 m tiefe Schlucht und mehrere Seitenkerben, die unterhalb des Weges die große, verfüllte Schlucht des 14. Jh. anschneiden. Die Wände können mit Hilfe eines Spatens leicht aufgefrischt werden.

Ab Frühjahr 2001 wird eine erklärende Hinweistafel zusätzlich auf dieses Beispiel früherer Landschaftsveränderung durch menschliche Einflussnahme hinweisen.

 

Lageplan des "Tiefen Tals", Kreis Göttingen

Tiefes Tal, Kr. Göttingen (ni7_3.jpg)
Tiefes Tal, Kreis Göttingen

Kontakt und weitere Infos:

Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork
Ökologie-Zentrum der Christian-Albrechts-Universität
Schauenburger Str. 112
24118 Kiel
E-Mail:
hrbork@ecology.uni-kiel.de

 

Böden und Landschaft

Im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert war Mitteleuropa, bedingt durch die Ausdehnung der Ackerflächen und die intensive Nutzung der Wälder (z.B. als Bauholz, Waldweide, Streunutzung, Brennstoff), so vegetationsarm, dass aufgrund der dadurch verstärkten Thermik die Wahrscheinlichkeit und Intensität von Starkniederschlägen erheblich zunahm (siehe auch Kapitel „Böden als Archiv“). Forschungen haben belegt, dass sehr stark wirksame Niederschläge im 14. Jahrhundert in weiten Teilen Europas einen außergewöhnlich hohen Abfluss auf der Bodenoberfläche, gravierende Bodenerosion und damit eine lokal oft drastische Verringerung der Bodenfruchtbarkeit auslösten.

Spätmittelalterliche Kerbenfüllung, im Hintergrund Schlucht die im 18.Jahrhundert gebildet wurde.

Spätmittelalterliche Kerbenfüllung, im Hintergrund Schlucht aus dem 18.Jh. (ni7_2.jpg)
(Foto: H.-R.Bork)

Reliefentwicklung im Tiefen Tal (Quelle: H.-R. Bork u.a., 1998, Landschaftsentwicklung in Europa, verändert)
Reliefentwicklung im Tiefen Tal (Quelle: H.-R.Bork u.a., 1998, Landschaftsentwicklung in Europa, verändert (ni7_4.jpg)

Missernten, Unterernährung, Hungersnöte und Massensterben folgten. Langfristig wurde vielerorts die landwirtschaftliche Nutzung auf den nunmehr weniger fruchtbaren Böden aufgegeben. Wahrscheinlich in der 2. Dekade des 14. Jahrhundert und im Jahr 1342 suchten katastrophale Starkregen die Region Untereichsfeld heim. Im Tiefen Tal rissen die große Fluten der Regenkatastrophen eine über 1 km lange und bis 6 m tiefe Schlucht mit einer mehrere Zehnermeter breiten Sohle ein. Von den fruchtbaren Hängen nördlich der Schlucht wurde dabei eine Parabraunerde abgetragen, die sich bis zu den frühmittelalterlichen ersten Rodungen dort gebildet hatte. Dieser Boden wurde an der steilen Nordseite der Schlucht wieder abgelagert. Das bei überwiegend flächenhafter Erosion abgetragene und am Fuß des Hanges wieder abgelagerte Bodenmaterial nennt man Kolluvium. In der Folgezeit wurde das Tiefe Tal durch weiteren Abtrag von den oberhalb gelegenen Hängen mit Hang- und Talsedimenten wieder verfüllt. Am Ende dieses Prozesses war der Hang nur noch mit steinigem Material bedeckt, am Hangfuß aber der ursprüngliche Hangboden kopfüber wieder abgelagert und mit einer ackerbaulich nicht bearbeitbaren Steindecke überschüttet. Im 18. Jahrhundert wurde das Tiefe Tal ein zweites Mal durch extreme Niederschläge zerschnitten. Diese bis zu 5 m tiefe Kerbe blieb unter Wald weitgehend erhalten und ist heute noch gut zu erkennen (siehe Photo: unten). Außerdem sind im Wald noch deutlich mehrere kurze Seitenkerben zu sehen.

Spätmittelalterliche Kolluvien, die die Schlucht des 14. Jahrhunderts füllen.

Spätmittelalterliche Kolluvien, die die Schlucht des 14. Jh. füllen (ni7_1.jpg)
Kolluvien (Spätmittelalter); II Bt: holozäne Parabraunerde; I Cv: spätglaziale Fließerde
(Photo: H.-R.Bork)

Index
Vorwort | Inhalt | Einführung | Karte | Glossar | Literatur | Wussten Sie schon | Impressum
Die Böden Deutschlands | Böden als Archiv

Baden-Württemberg | Bayern | Berlin | Brandenburg | Bremen | Hamburg | Hessen
Mecklenburg-Vorpommern | Niedersachsen | Nordrhein-Westfalen | Rheinland-Pfalz
Saarland | Sachsen | Sachsen-Anhalt | Schleswig-Holstein | Thüringen

Weitere Empfehlungen | Wanderausstellungen | Kommentare und Meinungen

E-Mail: Redaktion Reiseführer
E-Mail:
Webmaster Reiseführer
rbd/ni7.htm
(Internet-Version)
ZurückSeitenanfangWeiter
Reiseführer - Zu den Böden Deutschlands Erstellt: 18.06.2001; Letzte Aktualisierung: 29.06.2001 © Umweltbundesamt, Berlin