NiedersachsenNI 6

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Teil 1]
Einleitung, Texte
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Teil 2] Lehrpfade: Niedersachsen: NI 6 = Göttingen - Wölbäcker bei Thiershausen
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Teil 3] EmpfehlungenSeitenende

Göttingen - Wölbäcker bei Thiershausen

So kommen Sie hin:

Mit dem Bus:
Von Göttingen mit Bus 172 bis Thiershausener Mühle.

Mit dem Auto:
Von Göttingen über die B 27 Richtung Herzberg. Nach Ebergötzen weiter Richtung Gieboldshausen auf B 27. Nach 2 km links ab über Krebeck, Bodensee, Renshausen Richtung Gillersheim bis zum Teich des Hofes Groß Thiershausen. Hier Fahrzeug abstellen.

Zu Fuß weiter vom Hof Groß Thiershausen aus in westlicher Richtung auf dem Weg entlang des nördlichen Teichrandes. Am 1. Abzweig nach dem Teich links ab in SW Richtung. Am nächsten Abzweig nicht links abbiegen (Weg führt nur zum Hof Gr. Thiershausen), sondern kurz geradeaus, dann dem Linksbogen des Forstweges zum Leisenberg (nicht ausgeschildert) folgen. Nach wenigen 100 m findet man beiderseits des Weges Wölbackerflur.

 

Was ist zu sehen?

Im südlichen Niedersachsen sind an zahlreichen

Wald-standorten spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Wölbackerflure zu entdecken. Wölbäcker sind Relikte einer vergangenen Form der Bodenbewirtschaftung mit dem Beetpflug, bei der Ackerstreifen angelegt wurden, in deren Mitte der Boden bis zu einem Meter Höhe zusammengepflügt wurde. Die Wölbäcker sind oft 8 bis 15 m breit und in Richtung des Gefälles über 100 m lang. 1964 und 1970 wurden Wölbackerflure z.B. in der Umgebung der Wüstungen Jacobshagen (westlich Rüdershausen), Leisenberg (bei Sudershausen), Tidershusen (bei Groß Thiershausen), Moseborn (südwestlich Holzerode) und Bernesrothe (östlich Rittmarshausen) aufgefunden.

Am unten beschriebenen Wanderweg sind mehrere Schnitte durch Wölbäcker zu sehen.

Wölbackerflur bei Thiershausen, Kr. Göttingen mit seit dem 15. Jh. gebildeter Parabraunerde

(Foto: H.-R. Bork)

Lageplan: Wölbäcker bei Thiershausen
Skizze (ni6_3.jpg)

Kontakt und weitere Infos:

Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork
Ökologie-Zentrum der Christian-Albrechts-Universität
Schauenburger Str. 112
24118 Kiel
E-Mail:
hrbork@ecology.uni-kiel.de

 

Böden und Landschaft

Einige 100 m westlich des Hofes Groß Thiershausen haben sich unter Wald Relikte der spätmittelalterlichen Wölbackerflur des aufgegebenen Ortes Tidershusen erhalten. Ein Waldweg durchschneidet die Wölbäcker und gibt so den Blick frei auf ihren Aufbau und die Bodenbildung nach dem Ende des Ackerbaus. Die Aufgabe des Ackerbaus lässt sich in das 14. oder 15. Jh. datieren. Die jüngsten, in den Wölbäckern enthalten Keramikbruchstücke stammen aus dieser Zeit. Zuletzt wurde die Wüstung Tidershausen im Jahr 1465 urkundlich erwähnt (Kühlhorn 1970).

Wölbacker Thiershausen

(M Ah, M Al und M Bt= Parabraunerde in spätmittelalterlichem Kolluvium;
II Cv = spätglaziale Fließerde)
(Foto: H.-R. Bork)

Das Profil am Wegrand belegt, dass die Wölbäcker in humosem umgelagertem Löß aufgepflügt worden waren. An der Basis der Wölbäcker liegt eine würmeiszeitliche, steinig-lehmige Fließerde unter nur an wenigen Stellen erhaltenen, geringmächtigen Resten der Parabraunerde, die sich bis zum Frühmittelalter in Löß gebildet hatte. Darüber folgt das bis zu 1 m mächtige aufgepflügte grauhumose Lößmaterial. Nach der Aufgabe des Ackerbaus hat sich in dem schwach kalkhaltigen, lehmig-schluffigen, grauhumosen Pflughorizontmaterial in wenig mehr als einem halben Jahrtausend unter Wald eine kräftige Parabraunerde entwickelt.

In der jüngeren Neuzeit wurde der Wald gerodet. In den Furchen zwischen den Wölbäckern schnitten sich während einiger Starkregen auf der vorübergehend vegetationsarmen Oberfläche am heutigen Forstwaldweg einige Dezimeter tiefe Rinnen ein, die rasch mit humosem Kolluvium verfüllt wurden. Die Rillen rissen hangabwärts tiefer ein.

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Reiseführer - Zu den Böden Deutschlands Erstellt: 18.06.2001; Letzte Aktualisierung: 29.06.2001 © Umweltbundesamt, Berlin