Wir würden doch alle in die
Erde hineinfallen,
wenn kein Boden mehr da wäre - das sagte ein Kind
auf die Frage, was es wohl mit Boden auf sich habe. Diese
Antwort trifft den Nagel auf den Kopf. Oft denken wir bei dem Begriff
Boden vordergründig etwas Eigennütziges, wie das Grundstück
für den Hausbau, weniger an den Boden als ökologische Lebensgrundlage
zur Erzeugung unserer Nahrungsmittel. Auf Boden steht, auf Böden geht
und baut man. Böden das ist die Alltagserfahrung sind für
den Menschen nützlich. Aber kaum einer hat sie je in ihrer Vielfalt, Farbigkeit,
ihren bizarren Mustern und mit all ihren Wurzelgängen und Lebewesen betrachten
können. Das war nämlich bisher eine exklusive Sache von Fachleuten. Ein
kleiner Kreis von Bodenwissenschaftlern hebt so genannte Profilgruben
aus und untersucht an ihnen die Entstehung und Beschaffenheit dieser Böden.
Erst seit kurzem
werden solche Bodenprofile auch für die Öffentlichkeit
freigegeben, beziehungsweise wird Anschauungsmaterial zu den Böden gezielt
für die Öffentlichkeit hergestellt. Böden gibt es überall; anzuschauen
sind sie vorerst nur an wenigen Orten.
Machen Sie doch einen ungewöhnlichen
Ausflug.
Der Reiseführer zeigt Ihnen wohin: Zu den Böden Deutschlands.
Hier bekommen Sie etwas zu sehen: Sie sehen wie Menschen jahrhundertelang
mit größter Mühe Böden verändert haben, um auf ihnen Ackerbau zu betreiben.
Sie sehen eiszeitlichen Staub. Sie lernen den fruchtbarsten Boden Deutschlands
kennen, sie fühlen ihn und riechen ihn. Lassen Sie sich überraschen von
Böden, die mehr lebende Organismen enthalten als Arten auf der Erde leben.
Betrachten Sie Zeitzeuge-Böden, denen Sie z.B. noch heute
Spuren mittelalterlicher Siedlungen ansehen. Der Reiseführer zeigt Ihnen
über 50 Möglichkeiten, charakteristische Böden der Landschaft genauer
zu betrachten. U.a. werden Bodenlehrpfade, geologische Aufschlüsse, naturkundliche
Museen mit Boden-Ausstellungen mit den angebotenen Inhalten sowie den
Informationen zu Erreichbarkeit, Kontaktadressen und Öffnungszeiten vorgestellt.
Fühlen Sie sich als Erbe
des großartigen Reichtums an Böden, die wir in Deutschland
und Mitteleuropa haben. Leicht gerät in Vergessenheit, dass schon unsere
frühen Vorfahren die Böden nach ihrer Fruchtbarkeit sehr gut unterscheiden
konnten. Die ersten Ackerbauern Mitteleuropas entdeckten mit großer Treffsicherheit
die Lößböden. Diese Böden enthalten keine Steine und sind gut zu bearbeiten,
jedenfalls dann wenn sie nicht zuviel Lehm enthalten. Verzeichnet man
auf einer Karte die mittelalterlichen Ansiedlungen von Klöstern und den
Bau von Kirchen, so erhält man ein gutes Bild der Verteilung von Lößböden
in Deutschland.
Böden zeichnen
aber auch auf, was wir mit ihnen tun. Sie sind ein
Archiv der Natur- und Kulturgeschichte. Z. B. bewahren Böden des Osnabrücker
Landes, in Kalkriese, bis zum heutigen Tage die Erinnerung an die Schlacht
der Germanen gegen die Römer unter Varus. An anderen Böden sind die Folgen
von Versauerung, Schadstoffeinträgen und anderen Einwirkungen sichtbar.
Mancherorts sind die Böden zu Altlasten geworden, weil sie gefährliche
Abfälle enthalten.
Bizarre
Kunstformen meint man
in Böden zu entdecken. Die natürliche Bodenbildung
kann zu sehr bizarren Formen und Farben führen. So schneiden Eisen- oder
Manganbänder abrupte Farblinien zum Beispiel in rot und schwarz in den
Boden. Ausgewaschener Ton führt zu blendend weißen Abschnitten, die von
den humusreichen und damit schwarz-braunen Abschnitten eines Bodens abgesetzt
sind. Form und Farbe kann in einem Boden gravitätisch ebenmäßig
sein, in einem anderen mögen sie viel eher an impressionistische Farbspiele
erinnern, so zerbrechlich, geschwungen und mitten in der Bewegung festgehalten
erscheinen sie. Ein gutes Beispiele zeigt das Bild des Künstlers Rainer
Sieverding. Es ist der Lackabzug eines eiszeitlich entstandenen Bodens
aus einer Sand- und Kiesgrube in Norddeutschland.
Wir sind reich
an Böden. Mitteleuropa hat eine Vielzahl unterschiedlichster
Böden. Aber dieser Reichtum ist bedroht. 129 Hektar Fläche, hauptsächlich
landwirtschaftlich genutzte Böden, werden Tag für Tag in Deutschland für
Siedlungs- und Verkehrszwecke umgewidmet; ihre natürlichen Bodenfunktionen
gehen durch die urbanen Nutzungen meist zugrunde. Immer noch sind die
Einträge von versauernden Stoffen so hoch, dass Waldböden ihre Langzeit-Puffervorräte
verlieren und die Tonminerale im Untergrund zerfallen. Die Versorgung
unserer Landwirtschaftsböden mit Phosphor und Stickstoff hat in vielen
Teilen Deutschlands die akzeptablen Obergrenzen längst überschritten.
Immer deutlicher wird, dass die Böden ganz nebenbei zum Lagerplatz höchst
problematische Stoffe werden, die z. B. als Tierarzneimittel und Antibiotika
über die Ausbringung von Gülle oder als toxische Stoffe wie polyzyklische
aromatische Kohlenwasserstoffe mit dem Klärschlamm ausgebracht werden
und so in den Boden gelangen. Über 300 000 Altlastverdachtsflächen bedürfen
einer Untersuchung der von ihnen womöglich ausgehenden Umweltgefahren,
ein Teil von ihnen bedarf der Sanierung. Erst seit kurzem hat die Umweltpolitik
auf diese Situation reagiert. Das Bundes-Bodenschutzgesetz hat 1999 erstmals
die Pflichten zur Gefahrenabwehr und die Grundsätze für die Vorsorge zum
Schutz der Böden rechtlich festgelegt. Ein umfangreiches technisches Regelwerk
ist als Verordnung entstanden. Die Bundesländer ziehen mit landesspezifischen
Regelungen nach, Boden - Dauerbeobachtungsflächen sind eingerichtet, Bodeninformationssysteme
sind oder werden aufgebaut. Aber erst langsam setzt sich das Verständnis
durch, dass aktiver Bodenschutz mit dem Befolgen von Rechtsvorschriften
nicht erschöpft ist, sondern oft ein viel weitergehendes Umdenken und
das Verlassen althergebrachter Praktiken erfordert.
Nichts ist vollkommen,
auch dieser Reiseführer nicht. Und das ist gut so.
Denn es ist ein Zeichen dafür, dass in den letzten zwei Jahren viele Aktivitäten
eingesetzt haben, die alle das Ziel verfolgen, die öffentliche Aufmerksamkeit
für das Umweltmedium Boden zu steigern. Dieser Prozess hat erst begonnen.
Das Angebot wird immer besser und umfangreicher. Im Jahre 2000 gab es
eine Sonder-Briefmarke mit dem Motto Der Boden lebt. Aus dem
Erlös der Sondermarke fördert das Bundesumweltministerium Projekte zur
Verbesserung des Umweltbewusstseins mit Blick auf den Boden. Unter www.bodenwelten.de
finden Sie hierzu nähere Informationen. Eine Boden-Ausstellung im Haus
der Umwelt in Berlin-Köpenick wird 2001 vorbereitet. Die Stadt Osnabrück
wird Mitte 2001 das erste Bodenmuseum Deutschlands eröffnen.
Unvollständig ist der Reiseführer aber auch noch aus
einem anderen Grund. Das Redaktionsteam hat sich sehr darum bemüht, möglichst
allen einschlägigen Anbietern die Möglichkeit zum Mittun zu eröffnen.
Es mag aber durchaus den einen oder anderen geologischen Wanderpfad oder
Lehrpfad zum Naturschutz geben, der auch auf die Böden eingeht oder diese
zeigt und hier (noch) nicht vorgestellt wird.
Das Redaktionsteam
/ Umweltbundesamt
Wenn Sie etwas über einen Bodenlehrpfad, einen geologischen
Aufschluss oder ähnliches finden, von dem Sie meinen, er gehöre in diesen
Führer, dann schreiben Sie uns:
Umweltbundesamt
FG II 5.1
PF 33 00 22
Bismarckplatz 1
14191 Berlin
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