Einführung

[Start]
[
Teil 1]
Einleitung, Texte: Einführung
[
Teil 2] Lehrpfade
[
Teil 3] EmpfehlungenSeitenende

Einführung

Wir würden doch alle in die Erde hineinfallen,

wenn kein Boden mehr da wäre - das sagte ein Kind auf die Frage, was es wohl mit „Boden“ auf sich habe. Diese Antwort trifft den Nagel auf den Kopf. Oft denken wir bei dem Begriff „Boden“ vordergründig etwas Eigennütziges, wie das Grundstück für den Hausbau, weniger an den Boden als ökologische Lebensgrundlage zur Erzeugung unserer Nahrungsmittel. Auf Boden steht, auf Böden geht und baut man. Böden – das ist die Alltagserfahrung – sind für den Menschen nützlich. Aber kaum einer hat sie je in ihrer Vielfalt, Farbigkeit, ihren bizarren Mustern und mit all ihren Wurzelgängen und Lebewesen betrachten können. Das war nämlich bisher eine exklusive Sache von Fachleuten. Ein kleiner Kreis von Bodenwissenschaftlern hebt so genannte Profilgruben aus und untersucht an ihnen die Entstehung und Beschaffenheit dieser Böden.

Erst seit kurzem

werden solche Bodenprofile auch für die Öffentlichkeit freigegeben, beziehungsweise wird Anschauungsmaterial zu den Böden gezielt für die Öffentlichkeit hergestellt. Böden gibt es überall; anzuschauen sind sie vorerst nur an wenigen Orten.

Machen Sie doch einen ungewöhnlichen Ausflug.

Der Reiseführer zeigt Ihnen wohin: Zu den Böden Deutschlands. Hier bekommen Sie etwas zu sehen: Sie sehen wie Menschen jahrhundertelang mit größter Mühe Böden verändert haben, um auf ihnen Ackerbau zu betreiben. Sie sehen eiszeitlichen Staub. Sie lernen den fruchtbarsten Boden Deutschlands kennen, sie fühlen ihn und riechen ihn. Lassen Sie sich überraschen von Böden, die mehr lebende Organismen enthalten als Arten auf der Erde leben. Betrachten Sie „Zeitzeuge“-Böden, denen Sie z.B. noch heute Spuren mittelalterlicher Siedlungen ansehen. Der Reiseführer zeigt Ihnen über 50 Möglichkeiten, charakteristische Böden der Landschaft genauer zu betrachten. U.a. werden Bodenlehrpfade, geologische Aufschlüsse, naturkundliche Museen mit Boden-Ausstellungen mit den angebotenen Inhalten sowie den Informationen zu Erreichbarkeit, Kontaktadressen und Öffnungszeiten vorgestellt.

Fühlen Sie sich als Erbe

des großartigen Reichtums an Böden, die wir in Deutschland und Mitteleuropa haben. Leicht gerät in Vergessenheit, dass schon unsere frühen Vorfahren die Böden nach ihrer Fruchtbarkeit sehr gut unterscheiden konnten. Die ersten Ackerbauern Mitteleuropas entdeckten mit großer Treffsicherheit die Lößböden. Diese Böden enthalten keine Steine und sind gut zu bearbeiten, jedenfalls dann wenn sie nicht zuviel Lehm enthalten. Verzeichnet man auf einer Karte die mittelalterlichen Ansiedlungen von Klöstern und den Bau von Kirchen, so erhält man ein gutes Bild der Verteilung von Lößböden in Deutschland.

Böden zeichnen

aber auch auf, was wir mit ihnen tun. Sie sind ein Archiv der Natur- und Kulturgeschichte. Z. B. bewahren Böden des Osnabrücker Landes, in Kalkriese, bis zum heutigen Tage die Erinnerung an die Schlacht der Germanen gegen die Römer unter Varus. An anderen Böden sind die Folgen von Versauerung, Schadstoffeinträgen und anderen Einwirkungen sichtbar. Mancherorts sind die Böden zu Altlasten geworden, weil sie gefährliche Abfälle enthalten.

Kunstformen - Photo des Künstlers Rainer Sieverding. Lackabzug eines eiszeitlich entstandenen Bodens aus einer Sand- und Kiesgrube in NorddeutschlandBizarre Kunstformen meint man

in Böden zu entdecken. Die natürliche Bodenbildung kann zu sehr bizarren Formen und Farben führen. So schneiden Eisen- oder Manganbänder abrupte Farblinien zum Beispiel in rot und schwarz in den Boden. Ausgewaschener Ton führt zu blendend weißen Abschnitten, die von den humusreichen und damit schwarz-braunen Abschnitten eines Bodens abgesetzt sind. Form und Farbe kann in einem Boden gravitätisch – ebenmäßig sein, in einem anderen mögen sie viel eher an impressionistische Farbspiele erinnern, so zerbrechlich, geschwungen und mitten in der Bewegung festgehalten erscheinen sie. Ein gutes Beispiele zeigt das Bild des Künstlers Rainer Sieverding. Es ist der Lackabzug eines eiszeitlich entstandenen Bodens aus einer Sand- und Kiesgrube in Norddeutschland.

Wir sind reich

an Böden. Mitteleuropa hat eine Vielzahl unterschiedlichster Böden. Aber dieser Reichtum ist bedroht. 129 Hektar Fläche, hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Böden, werden Tag für Tag in Deutschland für Siedlungs- und Verkehrszwecke umgewidmet; ihre natürlichen Bodenfunktionen gehen durch die urbanen Nutzungen meist zugrunde. Immer noch sind die Einträge von versauernden Stoffen so hoch, dass Waldböden ihre Langzeit-Puffervorräte verlieren und die Tonminerale im Untergrund zerfallen. Die Versorgung unserer Landwirtschaftsböden mit Phosphor und Stickstoff hat in vielen Teilen Deutschlands die akzeptablen Obergrenzen längst überschritten. Immer deutlicher wird, dass die Böden ganz nebenbei zum Lagerplatz höchst problematische Stoffe werden, die z. B. als Tierarzneimittel und Antibiotika über die Ausbringung von Gülle oder als toxische Stoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe mit dem Klärschlamm ausgebracht werden und so in den Boden gelangen. Über 300 000 Altlastverdachtsflächen bedürfen einer Untersuchung der von ihnen womöglich ausgehenden Umweltgefahren, ein Teil von ihnen bedarf der Sanierung. Erst seit kurzem hat die Umweltpolitik auf diese Situation reagiert. Das Bundes-Bodenschutzgesetz hat 1999 erstmals die Pflichten zur Gefahrenabwehr und die Grundsätze für die Vorsorge zum Schutz der Böden rechtlich festgelegt. Ein umfangreiches technisches Regelwerk ist als Verordnung entstanden. Die Bundesländer ziehen mit landesspezifischen Regelungen nach, Boden - Dauerbeobachtungsflächen sind eingerichtet, Bodeninformationssysteme sind oder werden aufgebaut. Aber erst langsam setzt sich das Verständnis durch, dass aktiver Bodenschutz mit dem Befolgen von Rechtsvorschriften nicht erschöpft ist, sondern oft ein viel weitergehendes Umdenken und das Verlassen althergebrachter Praktiken erfordert.

Nichts ist vollkommen,

auch dieser Reiseführer nicht. Und das ist gut so. Denn es ist ein Zeichen dafür, dass in den letzten zwei Jahren viele Aktivitäten eingesetzt haben, die alle das Ziel verfolgen, die öffentliche Aufmerksamkeit für das Umweltmedium Boden zu steigern. Dieser Prozess hat erst begonnen. Das Angebot wird immer besser und umfangreicher. Im Jahre 2000 gab es eine Sonder-Briefmarke mit dem Motto „Der Boden lebt“. Aus dem Erlös der Sondermarke fördert das Bundesumweltministerium Projekte zur Verbesserung des Umweltbewusstseins mit Blick auf den Boden. Unter www.bodenwelten.de finden Sie hierzu nähere Informationen. Eine Boden-Ausstellung im Haus der Umwelt in Berlin-Köpenick wird 2001 vorbereitet. Die Stadt Osnabrück wird Mitte 2001 das erste Bodenmuseum Deutschlands eröffnen.

Unvollständig ist der Reiseführer aber auch noch aus einem anderen Grund. Das Redaktionsteam hat sich sehr darum bemüht, möglichst allen einschlägigen Anbietern die Möglichkeit zum Mittun zu eröffnen. Es mag aber durchaus den einen oder anderen geologischen Wanderpfad oder Lehrpfad zum Naturschutz geben, der auch auf die Böden eingeht oder diese zeigt und hier (noch) nicht vorgestellt wird.

Das Redaktionsteam / Umweltbundesamt

Wenn Sie etwas über einen Bodenlehrpfad, einen geologischen Aufschluss oder ähnliches finden, von dem Sie meinen, er gehöre in diesen Führer, dann schreiben Sie uns:

Umweltbundesamt
FG II 5.1
PF 33 00 22
Bismarckplatz 1
14191 Berlin

E-Mail: Redaktion Reiseführer
E-Mail:
Webmaster Reiseführer
rbd/einfuehr.htm
(Internet-Version)
ZurückSeitenanfangWeiter
Reiseführer - Zu den Böden Deutschlands Erstellt: 30.05.2001; Letzte Aktualisierung: 22.06.2001 © Umweltbundesamt, Berlin