BrandenburgBB 5

[Start]
[
Teil 1] Einleitung, Texte
[
Teil 2] Lehrpfade: Brandenburg: BB 5 = Strausberg - Die Wolfsschlucht bei Pritzhagen
[
Teil 3] EmpfehlungenSeitenende

Strausberg - Die Wolfsschlucht bei Pritzhagen

So kommen Sie hin:

Mit Bus und Bahn:
Von Berlin-Lichtenberg mit der RB bis Rehfelde-Bahnhof und mit Bus 934 bis Rehfelde-Schule sowie weiter mit Bus 926 bis Pritzhagen.
Von Berlin-Lichtenberg mit der RB bis Müncheberg und von dort mit dem Bus 928 bis Buckow.

Weiter zu Fuß oder mit dem Fahrrad: Von Pritzhagen aus vorbei an den Großen und Kleinen Tornowsee zur Wolfsschlucht oder von Buckow aus vorbei an der Güntherquelle den Waldweg entlang in Richtung Pritzhagen (jede Strecke ca. 2 km). Die Wolfsschlucht und der Kleine Tornowsee sind ausgeschildert. An der Wolfsschlucht befindet sich eine Informationstafel.

 

Was ist zu sehen?

In der märkischen Schweiz, 50 km östlich des Zentrums von Berlin, sind die ca. 250 m lange und im Durchschnitt 12 m tiefe Wolfsschlucht und ein Schwemmfächer zu sehen. Sie sind durch enorme flächen- und linienhafte Wassererosion im 14. und 18.Jahrhundert entstanden.

Eine erläuternde Hinweistafel weist auf dieses Beispiel erosionsbedingt gescheiterter Landschaftsnutzung hin.

Wolfsschlucht "Kerbensprung", an der Aufschlussbasis findet man Holzkohlestücke" (bb5_2.jpg)

Wolfsschlucht „Diagonalgraben“ Wolfsschlucht „Kerbensprung“, an der Aufschlussbasis findet man Holzkohlestücke. (Fotos: Bork, H.-R.)

Kontakt und weitere Infos:
Gabriele Schmidtchen
Markus Dotterweich
Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork
Ökologisches Zentrum der Christian-Albrechts-Universität
Schauenburger Str. 112
24118 Kiel
e-Mail:
hrbork@ecology.uni-kiel.de
 

Böden und Landschaft

Eingebettet in die ebenen bis flachwelligen Barnimer und Lebuser Grundmoränenplatten liegt die Märkische Schweiz. Dieses etwa 40 km² große Gebiet beinhaltet im Zentrum eine stark gegliederte Hohlform, den Buckower Kessel. Er zeichnet sich durch Seenreichtum und einen hohen Waldanteil als eine reizvolle Kulturlandschaft aus. Seit 1990 ist eine Fläche von 205 km² als Naturpark ausgewiesen. In die Ränder des Buckower Kessels haben sich zahlreiche Kerbensysteme mit abenteuerlichen Namen wie z.B. Drachenkehle, Silberkehle, Hölle und Wolfsschlucht eingeschnitten.

Die Wolfsschlucht fällt von dem mehr als 100 m über NN liegenden Höhenzug der weichseleiszeitlichen Frankfurter Eisrandlage hinunter auf eine 60 m tiefergelegene wassergefüllte Senke des vielgliedrigen Beckens der Märkischen Schweiz, den Kleinen Tornowsee. Dort öffnet sich die Schlucht trompetenförmig in einen etwa 6500 m² großen Schwemmfächer, der seewärts mit einer ca. 2 m hohen markanten Stufe abbricht.

Aus mehreren Aufschlüssen und Bohrungen sowie der Auswertung von Archivmaterial wurde von Wissenschaftlern die nacheiszeitliche Entwicklung des Schwemmfächers der Wolfsschlucht rekonstruiert.

Besonders im Mittelalter und im 18. Jahrhundert fand starke Bodenerosion statt. Aufgrund der damals landwirtschaftlich intensiv genutzten Landschaft konnte bei Starkregen der Boden im Einzugsgebiet der Wolfsschlucht und in der Schlucht erodieren und auf dem Schwemmfächer abgelagert werden.

Besonders markant ist das stärkste Bodenerosions-ereignis vom Juli 1342. Damals wurden 3900 m³ Boden in der Wolffschlucht erodiert. Durch die starke Bodendegradierung musste der Ackerbau aufgegeben werden und bis zum Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich unter Wald eine mehr als einen Meter mächtige Braunerde bzw. Parabraunerde. Durch das Anlegen des "Töpfergrabens" 1670 auf der südlichen Seite des Kleinen Tornowsees bezweckte man eine Tieferlegung und Nivellierung des Sees. Auf den dadurch gewonnen Flächen wurde ab 1691 Hopfen am westlichen Seerand und unterhalb der Wolfsschlucht angebaut. Das Einzugsgebiet der Wolfsschlucht wurde wieder gerodet und intensiv genutzt, was dazu führte, dass regelmäßig bei Starkregenereignissen ein Teil der Hopfenflächen von sandigen Sedimenten aus der Wolfsschlucht überschüttet wurde. Um dies zu verhindern, wurde ein zweiter, später ein dritter Graben angelegt. Die Gräben mussten mühsam von den Sedimenten gereinigt werden, die Starkregen aus der Wolfsschlucht und ihrem Einzugsgebiet eintrugen. Außerdem ging der Hopfenanbau zurück. Daher entschloss man sich Ende des 18. Jahrhunderts endgültig, den Ackerbau im Gebiet des Schwemmfächers aufzugeben. Im Auftrag der Gutsbesitzerin „Frau von Friedland" wurde das Gebiet der Wolfsschlucht wieder aufgeforstet. Seitdem entwickelt sich auf dem Schwemmfächer unter Wald ein Ranker bzw. eine Parabraunerde.

Wolfsschlucht "Diagonalgraben" (bb5_1.jpg)

Wolfsschlucht "Diagonalgraben"
(Fotos: Bork, H.-R.)

Index
Vorwort | Inhalt | Einführung | Karte | Glossar | Literatur | Wussten Sie schon | Impressum
Die Böden Deutschlands | Böden als Archiv

Baden-Württemberg | Bayern | Berlin | Brandenburg | Bremen | Hamburg | Hessen
Mecklenburg-Vorpommern | Niedersachsen | Nordrhein-Westfalen | Rheinland-Pfalz
Saarland | Sachsen | Sachsen-Anhalt | Schleswig-Holstein | Thüringen

Weitere Empfehlungen | Wanderausstellungen | Kommentare und Meinungen

E-Mail: Redaktion Reiseführer
E-Mail:
Webmaster Reiseführer
rbd/bb5.htm
(Internet-Version)
ZurückSeitenanfangWeiter
Reiseführer - Zu den Böden Deutschlands Erstellt: 18.06.2001; Letzte Aktualisierung: 29.06.2001 © Umweltbundesamt, Berlin