Böden und Landschaft
Eingebettet in die ebenen
bis flachwelligen Barnimer und Lebuser
Grundmoränenplatten liegt die Märkische
Schweiz. Dieses etwa 40 km² große Gebiet
beinhaltet im Zentrum eine stark gegliederte
Hohlform, den Buckower Kessel. Er zeichnet sich
durch Seenreichtum und einen hohen Waldanteil als
eine reizvolle Kulturlandschaft aus. Seit 1990
ist eine Fläche von 205 km² als Naturpark
ausgewiesen. In die Ränder des Buckower Kessels
haben sich zahlreiche Kerbensysteme mit
abenteuerlichen Namen wie z.B. Drachenkehle,
Silberkehle, Hölle und Wolfsschlucht
eingeschnitten.
Die Wolfsschlucht fällt
von dem mehr als 100 m über NN liegenden
Höhenzug der weichseleiszeitlichen Frankfurter
Eisrandlage hinunter auf eine 60 m tiefergelegene
wassergefüllte Senke des vielgliedrigen Beckens
der Märkischen Schweiz, den Kleinen Tornowsee.
Dort öffnet sich die Schlucht trompetenförmig
in einen etwa 6500 m² großen Schwemmfächer,
der seewärts mit einer ca. 2 m hohen markanten
Stufe abbricht.
Aus mehreren Aufschlüssen
und Bohrungen sowie der Auswertung von
Archivmaterial wurde von Wissenschaftlern die
nacheiszeitliche Entwicklung des Schwemmfächers
der Wolfsschlucht rekonstruiert.
Besonders im Mittelalter
und im 18. Jahrhundert fand starke Bodenerosion
statt. Aufgrund der damals landwirtschaftlich
intensiv genutzten Landschaft konnte bei
Starkregen der Boden im Einzugsgebiet der
Wolfsschlucht und in der Schlucht erodieren und
auf dem Schwemmfächer abgelagert werden.
Besonders markant ist das
stärkste Bodenerosions-ereignis vom Juli 1342.
Damals wurden 3900 m³ Boden in der Wolffschlucht
erodiert. Durch die starke Bodendegradierung
musste der Ackerbau aufgegeben werden und bis zum
Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich unter
Wald eine mehr als einen Meter mächtige
Braunerde bzw. Parabraunerde. Durch das Anlegen
des "Töpfergrabens" 1670 auf der
südlichen Seite des Kleinen Tornowsees bezweckte
man eine Tieferlegung und Nivellierung des Sees.
Auf den dadurch gewonnen Flächen wurde ab 1691
Hopfen am westlichen Seerand und unterhalb der
Wolfsschlucht angebaut. Das Einzugsgebiet der
Wolfsschlucht wurde wieder gerodet und intensiv
genutzt, was dazu führte, dass regelmäßig bei
Starkregenereignissen ein Teil der Hopfenflächen
von sandigen Sedimenten aus der Wolfsschlucht
überschüttet wurde. Um dies zu verhindern,
wurde ein zweiter, später ein dritter Graben
angelegt. Die Gräben mussten mühsam von den
Sedimenten gereinigt werden, die Starkregen aus
der Wolfsschlucht und ihrem Einzugsgebiet
eintrugen. Außerdem ging der Hopfenanbau
zurück. Daher entschloss man sich Ende des 18.
Jahrhunderts endgültig, den Ackerbau im Gebiet
des Schwemmfächers aufzugeben. Im Auftrag der
Gutsbesitzerin Frau von Friedland"
wurde das Gebiet der Wolfsschlucht wieder
aufgeforstet. Seitdem entwickelt sich auf dem
Schwemmfächer unter Wald ein Ranker bzw. eine
Parabraunerde.

Wolfsschlucht
"Diagonalgraben"
(Fotos: Bork,
H.-R.)
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